Eine Reise in Lettlands Hauptstadt Riga? Ich wusste seit dem ersten Vorschlag, da muss ich dabei sein! So etwas lässt man sich doch nicht entgehen!
Unsere Reise beginnt am Hauptbahnhof Hannover, seit mehreren Monaten freuen wir uns riesig auf diesen Sonntagnachmittag, den 12.April. Ich habe mir tatsächlich schon Monate vorher einen Countdown auf dem Handy gemacht und die Tage gezählt. Also fahren wir mit diesem 10-köpfigen Haufen, welcher vier Zehntklässler, vier Elftklässler und zwei Lehrer beinhaltet, erst nach Hamburg. Dort werden wir noch zusammen essen gehen und dann ca. 4 Stunden schlafen, um pünktlich am Flughafen zu sein (Hr. Kalski bestand auf mindestens 2 Stunden vor Abflug). Obwohl wir alle nur wenig geschlafen hatten, waren wir gespannt. Unser Flug ging etwa 100 Minuten. Die meiste Zeit über die Ostsee. Als wir dann endlich gelandet sind und unser Gepäck hatten, sind wir mit zwei Taxis zum Hotel gefahren. Das Hotel war gut angebunden mit Straßenbahn und Bus. Nachdem wir uns im Hotel eingerichtet hatten, sind wir los in die Altstadt zum Schwarzhäupterhaus gefahren. Dort sollte uns eine Stadttour Riga ein bisschen näherbringen. Was wir alle aus der sehr langen Stadtführung rund um Architektur und Fassaden in Riga mitgenommen haben, ist, dass Riga voller Jugendstil ist und es sich daher immer lohnt, nach oben zu schauen. Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass wir in den nächsten Tagen definitiv unsere Jacken mitnehmen sollten…
Am Dienstag sind wir morgens zum Zentralmarkt in Riga gefahren. Er besteht aus vier verschiedenen Hallen, die alle unterschiedliche Themen hatten. Es gab beispielsweise Kleidung, aber auch Fleisch, Süßes und Souvenirs. Nachdem wir eine orthodoxe Kirche besichtigt hatten, sind wir zur Straße „66. vidusskola“ gelaufen. Dort hatten wir unseren ersten Schultag, haben Walzer mit den lettischen Schüler*innen getanzt und uns gegenseitig kennengelernt. Zu uns acht deutschen Schüler*innen gesellten sich 18 lettische aus verschieden Klassen, die sich teilweise untereinander auch nicht kannten. Das war tatsächlich ganz cool und nach ein paar Spielen zusammen sind wir dann wieder gegangen, mit Vorfreude auf den nächsten Tag. Da es noch nicht sehr spät war, sind wir in den Mezapark zu einer riesigen OpenAir Bühne gefahren. Der Park lag an einem riesigen See. Das alles war für einen Tag natürlich noch nicht genug, sodass wir dann auf eine Aussichtsplattform oben in der Nationalbibliothek besucht haben. Von dort aus hatten wir einen schönen Blick über die Skyline Rigas. Abends haben wir uns auf unserem Zimmer zusammengefunden, um uns besser kennenzulernen.
Am nächsten Morgen sind wir früh los und direkt in die Schule gefahren. Gemeinsam haben wir dann einzelne Szenen entwickelt, es gab zwei deutsche Gruppen, die sich mit deutschen Vorurteilen beschäftigen sollten und zwei lettische, die sich mit den Vorurteilen, die wir vorher gesammelt hatten, Szenen überlegt haben. Manche von diesen Vorurteilen hatten tatsächlich ihre Daseinsberechtigung, denn beispielsweise in allen öffentlichen Verkehrsmitteln war es total ruhig, bis wir einstiegen. Bier, Oktoberfest, Regeln und Brezeln hatten wir als Stereotype von den Letten bekommen. Das Schauspiel als Ultra-Alman fand ich total witzig, weil ich es so komisch finde, dass andere Menschen wirklich so ein Bild von uns Deutschen haben. Danach haben wir uns in vier Gruppen aufgeteilt, diesmal aber Letten und Deutsche gemischt, um nun die Ähnlichkeiten und Überschneidungen unserer Kulturen zu erarbeiten. Dafür haben wir eine Szene erstellt, in welcher jeder auf seiner eigenen Sprache spricht und jeweils ein paar Wörter des anderen verstehen kann, da zum Beispiel Rose auf Lettisch auch Rose heißt. Es entstanden Szenen im Restaurant, in einer Gastfamilie aber auch beim Einkaufen. Am Nachmittag waren wir dann im Schwarzhäupterhaus, welches wir tags zuvor bereits von außen bewundern konnten. Es handelt sich um ein Haus, welches im 14. Jahrhundert eine deutsche Verbindung in Riga gebaut hat. Im Keller hat man durch die Ausstellung ein Bild von dem Leben der Schwarzhäupter bekommen. Das Gebäude jedoch war mit großen prunkvollen Sälen ausgestattet. Danach haben wir dem lettischen Okkupations-museum nebenan einen Besuch abgestattet. Dort haben wir zum einen etwas über die Besetzung durch Deutschland im 2. Weltkrieg gelernt, aber den größten Anteil nahm die Sowjetische Besatzung ein.
Am Donnerstag den 16.04. hatten wir dann nach einer Generalprobe unsere Aufführung vor ein paar lettischen Schüler*innen und Lehrpersonal. Diese bestand aus unseren vorherigen Szenen, die Ähnlichkeiten und Unterschiede behandelten, aber auch aus einem Tanz, den wir gelernt haben. Wir alle waren ein bisschen aufgeregt, aber die Aufführung lief akzeptabel. Im Anschluss haben uns dann noch zwei Letten bei einer Bootstour über die Düna begleitet.
Wusstet ihr übrigens, dass Rigips in Riga erfunden wurde und deswegen Rigips heißt? Wir auch nicht, bis zu unserer Bootsfahrt. Abends haben wir des Öfteren zusammen mit Lehrern und Schülern zu zehnt Werwolf gespielt. An diesem Abend waren diese 2 Letten ebenfalls mit dabei. Das war unser letzter Tag mit den Letten. Doch vielleicht können wir sie schon bald im Herbst an unsere Schule willkommen heißen…
Am nächsten Morgen wartete nach dem Frühstück schon ein kleiner Bus auf uns, der uns in einen Nationalpark im Moor gebracht hat. Nachdem wir die Flora und Fauna dort bestaunt haben sind wir weiter nach Jūrmala gefahren, dort haben wir die Ostsee gegrüßt und uns nach Essen und Souvenirs umgeschaut. Jūrmala ist kleines Urlaubsstädtchen und da wir außerhalb der Saison da waren, hatten wir die schöne Fußgängerzone fast für uns alleine. An unserem letzten gemeinsamen Abend haben Frau Woller und Herr Kalski sich was ganz Besonderes für uns überlegt. Zusammen sind wir typisch lettisch essen gegangen, es gab Speisen wie Zeppelins oder Fisch aus der Ostsee. Danach hatten wir noch eine Reservierung im Rozengrāls, einem authentischen, mittelalterlichen Keller, indem wir noch etwas zu trinken an unserem letzten Abend genossen haben. An dem Abend habe ich unsere kleine Familie schon vermisst… und es wurde am nächsten Morgen, als wir dann zu fünft in unserem Dreierzimmer aufwachten, noch verstärkt. Die ganze Woche zusammen hat so viel an uns verändert. Wir sind zusammengewachsen und ich kann überglücklich neue wundervolle Menschen zu meinem Freundeskreis zählen. Nach unserem Rückflug begrüßte Deutschland uns erstmal mit Regen, was war anderes zu erwarten? Im Regio von Hamburg nach Hannover herrschte ein eine immer bedrückendere Stimmung, je näher wir Hannover, dem Schulalltag und unserem zu Hause kamen. Beim Abschied am Gleis haben wir uns alle zusammen nochmal umarmt und sind dann mit unseren jeweiligen Familien losgezogen. Diesen Moment habe ich als äußerst traurig und bedrückend wahrgenommen.
So eine tolle Erfahrung, das Beisammensein, sollten bald nur noch Erinnerungen sein, die langsam verblassen? Zum Glück konnten wir uns auf unsere Theaterproben freuen, sonst hätten wir den ersten Schultag wieder am KSGM wirklich nicht ohne emotionale Zusammenbrüche durchgestanden. Ich denke ich spreche im Namen der gesamten Truppe, wenn ich sage, diese Woche war eine der schönsten schulischen Fahrten, die wir je erleben durften. Ich bin dankbar für jeden Einzelnen, der uns das ermöglicht hat. Großer Dank gilt Frau Woller und Herr Kalski, ohne die diese wundervolle Fahrt nicht stattgefunden hätte und auch Erasmus+ für einen Ausflug, den wir nicht so schnell vergessen werden.
(Text: Marei Matthies, 10b; Fotos: M. Kalski)









